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Ozzy Osbourne von Black Sabbath

Flaschenpost: Lieber Ozzy Osbourne

Lieber Ozzy Osbourne,

ein bisschen enttäuscht war ich ja schon, als Sie unseren Interview-Termin in London so kurzfristig absagten. Aber nach fünf Minuten des Frusts schloss ich Sie gleich noch ein bisschen mehr in mein Herz, als Sie den Grund für Ihre Absage ausrichten ließen. Ihre Tochter sei erkrankt und da wollten Sie an ihrer Seite sein. Und das fand ich dann wieder richtig gut. Wie ich Sie und Ihre Band überhaupt richtig gut finde. Dabei – Black Sabbath sind keine Band, sie sind eine Institution! Es ist unmöglich, sich das Heavy-Metal-Genre ohne Ihre Basisarbeit vorzustellen. Unzählige Bands wie Metallica, HIM und Iron Maiden sind durch Sie beeinflusst worden und werden es heute noch. Herrliche Mythen ranken sich um die Legende, die wir nicht unerwähnt lassen wollen. So heißt es immer wieder, Sie hätten einer lebendigen Fledermaus den Kopf abgebissen. Dieser Mythos stimmt tatsächlich! Das Ganze passierte 1982 auf der „Bark At The Moon“-Tour bei einem Konzert in Iowa. Damals war es üblich, Ihnen Plastik- und Gummi-Getier wie Mäuse und Ratten auf die Bühne zu werfen. Ein Fan hatte eine halbtote Fledermaus in die Halle geschmuggelt. In der Annahme, es handle sich dabei um eine Attrappe, bissen Sie beherzt zu. „Sie war knusprig und warm“, beschrieben Sie das versehentliche Geschmackserlebnis in Ihrer Biografie. Danach schickte man Sie allerdings erst mal zur Tollwutimpfung. Ein weiterer Mythos rankt um Ihren Gitarristen: Tony Iommi soll diverse Armprothesen besitzen, heißt es. Auch das ist richtig. Denn im Alter von 17 verlor Iommi bei der Arbeit in einer Metallfabrik zwei seiner Fingerkuppen. Trotz des Handicaps blieb er stur und wollte unbedingt Gitarre spielen! Aus der Not heraus fertigte er sich seine eigenen Prothesen an – von den Armprothesen brauchte er also nur die Fingerkuppen. Heutzutage trägt der Gitarrenheld stets professionell angefertigte Plastikfingerkuppen bei sich. Gern wird aber auch überliefert: Black Sabbath hätten okkulte Messen abgehalten! Dabei ist das absoluter Quatsch! Bassist Geezer Butler soll einige Bücher über Okkultismus gelesen haben, das war’s aber auch schon. „Wenn ich sage, dass wir den Blödsinn mit der schwarzen Magie nicht einen Augenblick ernst nahmen, ist das die reine Wahrheit“, sagen Sie, lieber Ozzy Osbourne, dazu. „Uns gefiel einfach das Theatralische am Satanismus.“ So viel also zu den Legenden rund um Ihre Band. Rockbands, die solche Mysterien säen, sind heute eher selten geworden. Mit Black Sabbath begann alles, und vielleicht hört es auch mit Ihnen auf. Doch daran zu denken, ist noch viel zu früh! Mit „13“ gab es im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 1978 wieder ein Album in fast kompletter Originalbesetzung. Damals, Black Sabbath hatten gerade ihr Werk „Never Say Die!“ aufgenommen, wurden Sie von Ihren Kumpels vor die Tür gesetzt. Sie waren aufgrund Ihrer Alkohol- und Drogensucht untragbar geworden. 35 Jahre später sind Sie, der an Krebs erkrankte Tony Iommi und Geezer Butler wieder vereint. Verstärkt werden Sie durch Rage-Against-The-Machine-Schlagzeuger Brad Wilk und Super-Produzent Rick Rubin. Letzterer hat es geschafft, Sie an ihre Wurzeln zurückzuführen. „13“ könnte glatt in den Siebzigern entstanden sein, so perfekt fügt es sich ein zwischen die Black-Sabbath-Klassiker „Paranoid” und „Sabbath Bloody Sabbath”! Danke für dieses furiose Comeback!

Ihre
Katja Schwemmers

 

Ozzy Osbourne und Black Sabbath live 2014

Das von Rick Rubin produzierte Album „13“ bescherte Black Sabbath zum ersten Mal in ihrer Bandgeschichte Platz 1 in den deutschen Charts. Das darf nun gefeiert werden: Für vier Konzerte kommt die Heavy-Metal-Legende zwischen dem 8. und 27. Juni (Berlin, München, Stuttgart, Essen) nach Deutschland.

Black Sabbath Tickets gibt’s auf Ticketmaster.de.

 

Flaschenpost mit Katja Schwemmers

Unsere Gastautorin Katja Schwemmers schreibt sich in unserer Rubrik “Flaschenpost” alles von der Seele – als Brief an jene, die manchmal so weit weg erscheinen und denen wir trotzdem so viel zu sagen haben.