Musik / Interview

Bear’s Den 2019: Immer in Bewegung | Interview & Tour

Die Indie-Folk-Band Bear's Den erfindet sich immer wieder ein Stückchen neu und brachte im April ihr drittes Album heraus. Wir haben das britische Duo in Berlin getroffen, um über musikalische Veränderung, die Magie von Live-Auftritten und das neue Album zu sprechen.

Die Briten haben auch bei ihrem dritten Album „So That You Might Hear Me“ keinen Bock auf Stillstand. Nach dem knorrig-schönen Indie-Folk ihres Debüts „Islands“ und dem nach 80er schmeckenden „Red Earth & Pouring Rain“ finden sie nun eine spannende Balance zwischen akustischen Gitarren, elektronischen Piano-Klängen, künstlichem Drum-Klackern und präziser Poesie. Wir haben uns mit Kevin James getroffen, um herauszufinden, warum es sich Bear’s Den nicht in der kuscheligen Höhle jenes Sounds gemütlich gemacht haben, der ihnen einst den Durchbruch bescherte.

Mit Kevin James von Bear’s Den durch Berlin-Kreuzberg

Wir treffen Kevin James von Bear’s Den in Berlin-Kreuzberg am Schlesischen Tor. Der Ort steht wie kein zweiter in der Hauptstadt für kontinuierliche Veränderung: Rund um die Oberbaumbrücke ist nichts mehr von der ehemaligen Grenze zur DDR zu spüren, an den Ufern der Spree haben Start-Ups und große Firmen ihre Büroklötze errichtet. Ein veganer Coffeeshop hat neben einem Schawarma-Imbiss eröffnet – jedes Mal, wenn man hier ist, hat sich etwas verändert. Bear’s Den, die Band von Andrew Davie und Kevin Jones weiß es ebenso, sich immer wieder neu zu erfinden.

Bear's Den Konzert Deutschland

Im ausverkauften Festsaal Kreuzberg stellten Bear’s Den ihr neues Album noch vor dem Release ihren Fans vor. (Foto: Live Nation GSA/Bastian Bochinski)

Am 26. April erschien das dritte Album der Gruppe, die 2012 als Rettung moderner Folk-Musik vor allem in den USA und Europa gefeiert wurde. Mit dem Ausstieg von Banjo-Spieler Joey Haynes verlor die Band 2016 auch den Country-Touch, durch den Bear’s Den mit ihrem Debüt „Islands“ 2012 im Fahrwasser von Mumford & Sons Indie-Fans für Folk begeistern konnten. Auf dem zweiten Album „Red Earth & Pouring Rain“ verwendete die Gruppe dann überraschend vermehrt Synthesizer statt Banjo und entfernte sich stilistisch vom Debütalbum.

„Wir wollten nie immer dasselbe machen“

Bewusst für lange Autofahrten konzipiert, wie die Band betont, wandern Bear’s Den mit Album Nummer 2 auf dem schmalen Grad zwischen musikalischer Belanglosigkeit und geschickten 80er-Classic-Rock-Anleihen. Die Fans der ersten Stunde waren verstört und warfen der Band vor, zu heftig dem Mainstream zuzuwinken. Der Erfolg wurde zwar auch wesentlich größer, als berechnend kann man den sich stetig weiterentwickelten Sound der Band aber nicht bezeichnen, eher als künstlerischen Instinkt. „Wir wollten nie immer dasselbe machen“, sagt Kevin James, das musikalische Mastermind der Band. „Wir lernen ständig dazu, musikalisch wie insgesamt. Warum sollten wir diese neuen Eindrücke nicht verarbeiten? Es macht uns großen Spaß, neue Instrumente und neue Sounds auszuprobieren – so wie auch jetzt bei unserem neuen Album.“

Während das zweite Album in nur drei Wochen mitten im Festivalsommer 2016 aufgenommen wurde, wollten sich Kevin James und Andrew Davie nun mehr Zeit nehmen. Nach dem Höhepunkt jahrelangen Tourens mit zwei ausverkauften Konzerten in der Londoner Brixton Academy vor 10.000 Fans zogen sich Bear’s Den zurück. Erstmals seit 5 Jahren hatten die Musiker etwas Luft durchzuatmen. Doch lange konnten die zwei Briten nicht stillhalten. Sie bauten sich ihre eigene Bärenhöhle, richteten sich ein eigenes kleines Studio ein, wo sie ohne Zeitdruck und mit dem passenden Equipment an neuen Sounds basteln konnten.

Bear's Den Live Shows Germany

Mehr E-Piano, weniger Banjo – Bear’s Den probieren sich 2019 an neuen Sounds und Instrumenten. (Foto: Live Nation GSA/Bastian Bochinski)

Denn die Entwicklung geht weiter: Nach handgemachtem Folk-Rock und einem kurzen Classic Rock Abstecher, folgen auf dem dritten Album nun elektronische Elemente. Gemeint sind natürlich keine Tropical-House-Beats oder Autotune, sondern E-Piano und Drumkeys. „Die elektronischen Instrumente geben uns so viele neue Möglichkeiten, zum ersten Mal gibt es bei Bear’s Den Klaviertöne zu hören. Das E-Piano ist das perfekte Instrument, um eine intime Stimmung zu erzeugen, das wollten wir unbedingt in unsere neuen Songs mit aufnehmen“, so James.

Der Sound von Bear’s Den ist 2019 elektronischer geworden

Die Arbeit am neuen Album der Band dauerte insgesamt rund ein Jahr. Nach den ersten Entwürfen in London, nahmen Kevin und Andrew die Songs mit Produzent Phil Ek in Seattle auf. „Wir wollten schon lange mit Phil zusammenarbeiten. Er hat einige Bands produziert, die wir sehr gerne mögen, wie Fleet Foxes oder The Shins. Nun hat es endlich geklappt, weil wir alle Zeit hatten.“ Acht Wochen blieben Kevin und Andrew in der westlichen amerikanischen Küstenmetropole, kurz vor der kanadischen Grenze. Fertig gemischt wurde das Album von Craig Silvey, der mit seinen analogen Fähigkeiten u.a. Arcade Fire’s Meisterwerk „The Suburbs“ den letzten Schliff gab. Herausgekommen ist ein vollumfassender Sound, der mit den lyrischen Songtexten perfekt harmoniert und Bear’s Den zu einer der wichtigsten Alternative-Rockbands der Stunde macht.

Bear’s Den sind zufrieden mit dem Ergebnis. Mit einer Album-Tour durch kleinere Locations stellen sie ihr neues Werk „So That You Might Hear Me“ (VÖ: 26.04.) ihren Fans vor. Auf die kommende Tour angesprochen, blitzt der leidenschaftliche Live-Musiker in Kevin James auf: „Wir freuen uns auf die Konzerte in intimem Rahmen. Das ist die große Vollendung des ganzen Prozesses der Arbeit an dem Album und der letzte Schritt, der am meisten Spaß macht. Natürlich ist es aufregend zu sehen, wie die neuen Songs von den Fans angenommen werden, außerdem spiele ich zum ersten Mal E-Piano. Es ist so eine Art freudige Nervosität.“

„Wir lieben es, in Deutschland Konzerte zu spielen.“

Rund drei Wochen touren Bear’s Den im April vor der Albumveröffentlichung durch Europa – ihr Berlin-Konzert war in kürzester Zeit ausverkauft. Zu Berlin haben Bear’s Den ohnehin eine enge Beziehung, nicht nur weil einer ihrer größten Hits „Berlin“ heißt. „Bei unserem letzten Konzert in Berlin sind wir während der Show ins Publikum gegangen, um dort unten ein paar Songs zu spielen. Das Publikum hat sich augenblicklich so perfekt organisiert, alle haben aufeinander Acht gegeben. Es ist eine Dynamik, eine emotionale Nähe entstanden, die einmalig war.“

Bears Den 2019 Deutschland Neil Young

Als Vorband von Neil Young spielten Bear’s Den im Sommer 2019 u.a. in der Berliner Waldbühne. (Foto: Geert Braekers)

Im Mai und Juni spielten Bear’s Den eine ausgiebige USA-Tour, bevor es danach auf die größten Festivals Europas ging. In Deutschland waren Bear’s Den zudem als Vorband bei Neil Young zu Gast. Neue Deutschland-Termine folgen im November in München, Köln und Hamburg. Das deutsche Publikum mögen Bear’s Den ohnehin: „Wir lieben es, in Deutschland Konzerte zu spielen. Das Publikum ist so zivilisiert und aufmerksam. Es ist respektvoll und höflich, hört aufmerksam zu und nimmt unsere Musik ernst. Die Leute sind wirklich wegen der Musik da.“

Wir freuen uns auf die Bear’s Den Konzerte im November, wenn die zwei Londoner mit ihrer Live-Band wieder bei uns zu Gast sind.

Bear’s Den 2019 live in Deutschland:

  • 18.11.2019 | München – Muffathalle
  • 22.11.2019 | Köln – Carlswerk Victoria
  • 24.11.2019 | Hamburg – Markthalle

Tickets gibt es ab sofort hier bei Ticketmaster.

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