New Music / Interview

New for 2020: Arlo Parks

Im Februar ist Arlo Parks auf ihrer "Super Sad Generation Tour" 2020 in Europa und UK zu erleben. In der Kantine am Berghain in Berlin spielt Arlo Parks ihr erstes eigenes Deutschland-Konzert. Vorher haben wir die spannende Newcomerin zum Interview getroffen.

Mit gerade einmal 18 Jahren beobachtet Arlo Parks die Welt um sich herum mit einer poetischen Schärfe, wie wohl wenige in ihrem Alter. Ihre Songs passen perfekt zu unserer Zeit, auch wenn die Londonerin musikalisch eher den Blick zurück wirft. Vintage-Soulpop trifft auf Alltagsbeobachtungen einer mutigen jungen Frau, die auf dem Weg zu sich selbst ist und nicht davor zurückschreckt, den Finger tief in die Wunden unserer Gesellschaft zu legen.

Der Hype ist real und völlig berechtigt. Deshalb hat es Arlo Parks auf unsere New for 2020 Liste mit den spannendsten neuen Live-Acts für’s nächste Jahr geschafft. Höchste Zeit also, sich mit der sympathischen Pop-Lyrikerin näher zu beschäftigen.


Wer ist Arlo Parks?

  • Alter & Herkunft: 19 Jahre alt aus London
  • Genre: Soul, Pop, R’n’B, Rap
  • Für Fans von: Loyle Carner, Portishead, Kate Tempest, Amber Mark

In den letzten zwölf Monaten ging alles sehr schnell bei Arlo Parks: Im Dezember lud sie den Song „Cola“ hoch, der sich in Windeseile in Großbritannien verbreitete. Heute wurde der Song allein auf Spotify rund 3 Millionen Mal gestreamt. Die Folge: Ein Plattenvertrag bei Transgressive Records, wo sie mit den Foals, Two Door Cinema Club und Alvvays in bester Gesellschaft ist.

Nicht ganz so wütend wie Kate Tempest, nicht ganz so Bedroom-poppig wie gerade angesagt und nicht ganz so plakativ wie manch Demonstrant*in freitags auf der Straße hält Arlo Parks mit ihrem ganz eigenen Stil der aktuellen Gesellschaft den Spiegel vor. Die britische Musikwelt liegt Arlo Parks längst zu Füßen. Beim Glastonbury hatte Arlo Parks in diesem Sommer ihren ersten großen Auftritt, Lily Allen feiert öffentlich ihre Songs und Rapper Loyle Carner nahm das Talent im Herbst 2019 auf seine große UK Tour als Support mit.

Ein Debütalbum soll im nächsten Jahr folgen. Im Februar 2020 kommt Arlo Parks für ein exklusives Konzert live nach Berlin. Der einzige Solo-Deutschland-Termin auf ihrer „Super Sad Generation Tour“ durch Europa und UK findet am 24. Februar 2020 in der Kantine am Berghain statt. Tickets dafür gibt es nur hier bei Ticketmaster.

Bereits ein paar Tage früher, genauer gesagt am 16. Januar, spielt Arlo Parks auf dem Cardinal Sessions Festival ein besonderes Set in der Kulturkirche in Köln – Tickets für das Festival, bei dem auch Drangsal und Benjamin Amaru auf der Bühne stehen, gibt es hier bei Ticketmaster.

Einen ihrer ersten Auftritte in Deutschland hatte Arlo Parks im September 2019 auf dem Reeperbahn-Festival in Hamburg, wo wir die Newcomerin zum Interview treffen durften.

Arlo Parks im Interview über ihren Hype, Songwriting und unsere Generation

Im Dezember 2018 hast du deinen ersten Song veröffentlicht, im Anschluss ging alles recht schnell bei dir – wie blickst du auf die letzten Monate?

Arlo Parks: Es war ziemlich verrückt! Als wir “Cola” veröffentlichten, hatte der Song in kürzester Zeit ein paar hundert Plays und ich war schon ganz aus dem Häuschen. Dann kamen immer mehr dazu, ich war zuerst total überwältigt! Ich habe das überhaupt nicht erwartet, vor allem nicht, mit dem ersten richtigen Song, den wir veröffentlicht haben. Heute bin ich einfach nur dankbar für den schnellen und großartigen Support da draußen.

Du machst aber schon eine Weile Musik, bevor es Anfang des Jahres zum Durchbruch kam, richtig?

Arlo Parks: Ja, meine ersten Songs auf der Gitarre habe ich mit 14 Jahren geschrieben. Vorher habe ich viel Gedichte und Poesie geschrieben. Seit ich 10 bin, schreibe ich sehr viel. Die Texte habe ich zunächst als Akustik-Songs vertont, später spielte ich auch in Garagen-Bands, alles in Richtung Lo-Fi Hip Hop, aber das war auf Dauer nichts für mich.

Als dieses Jahr dann die ersten Songs online durch die Decke gingen, ich beim Glastonbury Festival auftreten durfte und einen Plattenvertrag unterschrieben habe, habe ich erst gemerkt: Okay jetzt bist du Musikerin!

Würdest du deine Songs und die Themen, die du besprichst, als autobiographisch bezeichnen?

Arlo Parks: Teilweise geht es um Themen, die mich bewegen, und Erfahrungen, die ich gemacht habe. Manchmal stammen die Themen aber auch aus meinem Freundeskreis. Die besten Songs, sind aber die, die sich um meine eigenen Erfahrungen drehen. Die Arbeit an den Songs hat mir auch geholfen, zu mir selbst zu finden, mit einer Art therapeutischen Ansatz. Ich bin mehr mit mir im Reinen, seit ich Songs schreibe.

Ich schreibe überall – im Schlafzimmer oder in der U-Bahn. Deshalb kommen viele Eindrücke aus dem Alltag direkt in meinen Songs vor. So einen richtigen roten Faden in meinen Songs gibt es bislang noch nicht, ich beobachte viel und lasse meinen Gedanken in meinen Songs freien Lauf. Über allem steht aber die Liebe; denn nur damit können wir alle glücklich zusammenleben.

Welche musikalischen Einflüsse haben dich geprägt?

Arlo Parks: In meiner Jugend vor allem Funk, wie Sly and the Family Stone und Parliament Funkadelic, aber auch Singer-Songwriter wie Elliott Smith, Nick Drake, Aldous Harding und die großen Rockstars aus dem Fernsehen, wie The Beatles, Jimi Hendrix und ganz viel Hip Hop. Live auf der Bühne sind vor allem St. Vincent und Prince große Idole für mich. Ich liebe Künstler, die sich komplett vergessen auf der Bühne, die ihre Musik und ihre Kunst dort in vollen Zügen ausleben, sich in einer ganz anderen Sphäre befinden, wenn sie live spielen.

Das hört man: Deine Musik und deine Videos spielen mit einem besonderen Vintage-Touch – vor allem mit Musik aus den 60ern. Was ist das Besondere an diesem Jahrzehnt für dich?

Arlo Parks: Musikalisch waren die 60er eine großartige, einflussreiche Zeit. Ansonsten war es, glaube ich, gar nicht so progressiv, wie wir heute denken. Wenn Leute sagen: “Ich wünschte, ich wäre in den 50ern geboren” – da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Es war in Wirklichkeit nicht so toll. Die Musik war toll und ich liebe sie, aber es gab gesellschaftliche Zustände, die wir heute zum Glück größtenteils überwunden haben, vor allem was die Rechte und der Respekt vor People of Colour angeht.

In welche Zeit würdest du stattdessen gerne einmal reisen?

Arlo Parks: Ich würde ins New York der 70er reisen, bei Andy Warhol im Studio vorbeischauen und Patti Smith treffen. Aber nur für einen Tag, dann würde ich gerne wieder zurück. Oder in die Zukunft, das interessiert mich eigentlich mehr als die Vergangenheit.

Um die Zukunft geht es auch im Song “Super Sad Generation”, in dem du den Finger in die Wunden der heutigen Generation legst und vor allem die Missstände ansprichst. Hast du Angst vor der Zukunft?

Arlo Parks: Nein, das nicht. Aber es passiert gerade so viel auf der Welt, wir leben in progressiven Zeiten. Ich bin in vielerlei Hinsicht traurig und nicht sehr optimistisch, es gibt aber auch viele Veränderungen, die mich positiv in die Zukunft blicken lassen. Es bringt nichts, zuhause rumzusitzen und traurig über gewisse Zustände zu sein. Wir müssen jetzt raus und handeln, unsere Generation hat es in der Hand.

Welche sind die positiven Züge unserer Generation?

Arlo Parks: Ich denke, unsere Generation ist viel offener als vorherige Generationen. Wir reden offener über sexuelle Identitäten, mentale Gesundheit, Klimaschutz, etc. Durch unsere Vernetzung und den Medienkonsum ist es für Künstler*innen heute einfacher, Fans zu finden. Man kann ohne großes Marketingbudget aus dem Schlafzimmer heraus die Menschen erreichen. Unsere Generation kommuniziert viel mehr, teilt mehr miteinander – das hat positive und negative Auswirkungen, aber in meiner Sicht ist es größtenteils positiv.


Arlo Parks – Live in Deutschland:

  • 16.01.2020 | Köln (Kulturkirche) – Cardinal Sessions Festival
  • 24.02.2020 | Berlin (Kantine am Berghain) – Super Sad Generation Tour 

Arlo Parks Berlin 2020 Tickets

Erlebt Arlo Parks Anfang 2020 live in Köln & Berlin – Tickets bekommt ihr hier bei Ticketmaster.


Ticketmaster Newcomer 2020

Arlo Parks hat es auf die Ticketmaster New for 2020 Liste mit den spannendsten neuen Live-Acts für 2020 geschafft. Hör hier in unsere Spotify-Playlist rein:

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