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Daði Freyr im Interview | Neue Tour-Termine im Juni 2021

Daði Freyr verschiebt seine Deutschland-Termine in den Juni 2021, zusätzlich kommt ein Konzert in München dazu. Was wir von Daði Freyr erwarten können und wie der Isländer die Zeit aktuell erlebt, hat Daniel Koch für das Applause Magazin kürzlich herausfinden können.

Letzte Tickets für Daði Freyr im Juni 2021

Der Isländer Daði Freyr Pétursson stand mit seinem Song „Think About Things“ gut im Kurs beim diesjährigen Eurovision Song Contest – der dann ja bekanntlich nicht stattfand. Daniel Koch fragte für unser Applause Magazin mal nach, wie es ihm damit geht und was wir von ihm in Zukunft erwarten können. Die neuen Live-Termine stehen schonmal fest: Im Juni 2021 kommt Daði Freyr für vier Konzerte live nach Deutschland – einige Shows wurden aufgrund der hohen Nachfrage hochverlegt, neu dabei ist ein Daði Freyr Konzert in München.

Daði Freyr im Interview: „In Island ist man nicht mehr cool, wenn man den ESC uncool findet.“

Der isländische Elektro-Pop-Musiker Daði Freyr Pétursson war einer der heiß gehandelten Acts für den diesjährigen Eurovision Song Contest. Sein Hit „Think About Things“ und das charmante Video, in der auch seine „Band“ Gagnamagnið zu sehen ist, wurden auf der ganzen Welt gefeiert. Warum „Band“ in Anführungszeichen? Nun ja. Weil keines der Bandmitglieder die selbst gebauten Instrumente spielt, die sie in den Händen halten. Und eben weil Daði Freyr die Musik im Alleingang gespielt und eingeschrieben hat.

Eigentlich hatten wir gedacht, wir machen einen Zoom-Call in seine Heimat und sehen ihn vor mächtigen Geysiren sitzen, während kleine Elfen durchs Bild wuseln und im Hintergrund fesche Touristen mit Fjällräven-Rucksäcken Selfies schießen (was ja das Bild ist, das wir hierzulande von Island haben) – aber nein, stattdessen lernen wir, dass Daði Freyr mit seiner Frau (die auch in seiner „Band“ ist) und seiner Tocher in Berlin-Schöneberg lebt. Auch gut.

Als ich das Video zu „Think About Things“ zum ersten Mal sah, musste ich eher an Hot Chip und an schöne Jahre auf der Tanzfläche der Indie Disco denken – und nicht an den Eurovision Song Contest. Wie kam es also, dass du da antreten wolltest?

Daði Freyr: Ich habe mich schon 2017 mit dem Song „Is This Love“ beworben. Eigentlich sollte den jemand anders singen, aber dann sagten alle „das passt zu dir“ – und ich habe es selbst gemacht. Meine Band Gagnamagnið war damals schon dabei. Sie besteht in erster Linie aus Freunden, die ich gerne in meiner Nähe habe. Meine Frau spielt auch mit. Wir haben es immerhin in die TV-Show des Vorentscheids gebracht. Für „Think About Things“ habe ich mit dem gleichen Team gearbeitet. Der frühe Hype um uns hat mir sehr geholfen. Ich konnte Vollzeit-Musiker werden, und auf einmal kennen mich die Leute außerhalb von Island. Wo mich vorher auch nicht soooo viele kannten.

Die isländische Musikszene wird hier meiner Meinung nach oft sehr ernst, sehr cool und sehr erhaben wahrgenommen, was wohl vor allem an den Erfolgen von Björk, Sigur Rós und Of Monsters And Men liegt. Gab es in deiner Heimat Naserümpfen darüber, dass du beim ESC antrittst?  

Daði Freyr: Nein. In Island hat sich der Blick auf den ESC in den letzten Jahren geändert. Du bist nicht mehr cool, wenn du den ESC für eine lahme Veranstaltung hältst. Die Leute sehen ihn als das, was er ist: die größte Unterhaltungsshow auf der Welt und eine gute Bühne, um deine Musik und dein Land zu präsentieren. Die meisten Menschen in Island schauen sich das an – man ist also nicht mehr cool, wenn man den ESC uncool findet.

Zu Recht. Der ESC ist herrlich verrückt, queer und unterhaltsam – allerdings muss man schon sagen, dass ein Auftritt dort auch viele Karrieren zerquetscht hat …

Daði Freyr: Yeah. Das stimmt. Man muss vorsichtig sein.

Wer dein Video zu „Think About Things“ zum ersten Mal sieht, muss zwangsläufig schmunzeln. Überhaupt wurde euer gut abgeschmeckter Humor „halbtrocken“ immer wieder erwähnt. Wenn man genau hinhört, merkt man aber, dass der Song eigentlich sehr zärtlich und rührend getextet ist …

Daði Freyr: Ja, im Grunde ist es eine Liebeserklärung an meine Tochter. Ich hatte die Musik für den Song schon geschrieben und der Text kam dann einfach so aus mir raus. Sie war damals vier oder fünf Monate alt und ich singe über die Dinge, die mir so durch den Kopf gehen, wenn ich sie auf dem Arm habe und sie anschaue.

Bist du traurig darüber, dass du um diese irre Fahrt und die irren Partys vom Eurovision gebracht wurdest?

Daði Freyr: Für mich persönlich gibt es wenig Gründe enttäuscht zu sein. Ich kann gerade viele Interviews von Zuhause aus führen, meine Musik wird gehört, ich sammele schon wieder Ideen für eine neue EP und ich plane eine Tour, die hoffentlich Ende des Jahres stattfinden kann. Ich bin nur ein wenig traurig, dass ich den ESC nicht mit meiner Gagnamagnið-Gang erleben kann. Das wäre ein Riesenspaß geworden. 

Immerhin hast du kürzlich in deiner Wohnung ein spektakuläres Konzert gespielt, bei dem du deine Lieblingssongs der ESC-Geschichte gecovert hast. Wie kam es dazu?

Daði Freyr: Ende letzten Jahres habe ich in Island eine Show mit Elektro-Versionen von Weihnachtssongs gespielt. Das war meine allererste ausverkaufte Show und die Leute sind durchgedreht. Deshalb wollte ich so was mit Eurovision-Songs machen. Das hat leider nur einmal in Island geklappt, eigentlich wollte ich um den ESC herum noch weitere angehen. Aber es kam super an, ich hatte Material für drei Stunden – also habe ich eine Online-Version gemacht.

Mich erinnern viele deiner Songs an Hot Chip in ihren besten Momenten. Was waren denn so die Bands, die dich sozialisiert oder inspiriert haben?

Daði Freyr: Als ich meine ersten Songs schrieb, hörte ich vor allem System of a Down und Linkin Park. Durch Justice und Daft Punk kam ich auf Acts wie Chromeo und ja, auch Hot Chip. Gerade gefällt mir Vulfpeck sehr.

In deinem Oeuvre finden sich Songs auf Isländisch und auf Englisch. Wie entscheidest du, welche Sprache du wählst?

Daði Freyr: Ich habe eigentlich von Anfang an eher auf Englisch getextet. Ich höre seit Jahren englische Musik, da war das irgendwie natürlich und fiel mir auch gar nicht schwer. Vor ein paar Jahren habe ich dann mal ins Isländische gewechselt, aber eigentlich singe ich in diesen Songs nur über meine Wut auf Social Media und über Menschen, die das Internet mit ihrem Hass vollscheißen. Pardon. Aber das meine ich: Wenn ich das auf Englisch singen würde, klänge das sehr aggressiv. Im Isländischen kenne ich die Nuancen, um das ein wenig abzumildern.

Apropos Social Media: Vor ein paar Monaten gab es diese lustige Verschwörungstheorie, dass Netflix irgendwie an meinem Erfolg Schuld sei. Man hätte sich mich ausgedacht als Promo für ihren Film „Eurovision Song Contest: The Story Of Fire Saga“. Ha, schön wär’s! Aber deshalb habe ich kürzlich „Volcano Man“ gecovert – um zu sagen: „Hey Netflix, sponsore mich!“

Im Juni 2021 kommst du auf Tour nach Deutschland: Was können wir erwarten?

Daði Freyr: Vor allem eine gute Party. Die Leute sollen tanzen, singen, eine gute Zeit haben. Es ist meine erste Tour überhaupt und das erste Mal, dass ich mit einer richtigen Band auf der Bühne stehe. Ich werde einen Gitarristen und einen Drummer dabeihaben. Ich kann es kaum erwarten, endlich wieder vor Menschen zu spielen. Ich bin zum ersten Mal im Ausland auf Tour und es läuft schon im Vorfeld besser, als ich je gedacht hätte. Dublin, London, Amsterdam und Göteborg sind schon ausverkauft. Ich bin sehr gespannt, wie zum Beispiel Daði Freyr Fans in Irland aussehen. Oder überhaupt: wie ein Daði Freyr Fan aussieht.

Daði Freyr – Deutschland-Tour 2021

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Das Interview führte Daniel Koch für das Applause Magazin.