Sport

Marie-Laurence Jungfleisch im Club der 2-Meter-Frauen

In Berlin dreht sich 2018 alles um den Sport - und zwar um die Leichtathletik. Eine der teilnehmenden Sportler ist Marie-Laurence Jungfleisch. Ticketmaster hatte sie im Interview.

2018 wird in Berlin die Leichtathletik-EM ausgetragen. 1.500 Athleten und Athletinnen aus mehr als 50 Nationen treten in 47 Disziplinen an und werden die Hauptstadt zwischen dem 7. und 12. August 2018 in Europas größte Sportmetropole verwandeln. Eine von ihnen: Marie-Laurence Jungfleisch. Ein Gespräch mit Deutschlands bester Hochspringerin über Höhenflüge, Höhenangst und den exklusiven Club der 2-Meter-Frauen.

Marie-Laurence Laurence, Sie gehören dem exklusiven „Club der Zwei-Meter-Frauen“ an. Für Couch-Potatoes klingt es zunächst ein bisschen nach dem Science-Fiction-Film „Angriff der 20-Meter-Frau“, in dem Daryl Hannah die Hauptrolle spielte. Verraten Sie uns: Was ist der „Club der Zwei-Meter-Frauen“? 

Der „Club der Zwei-Meter- Frauen“ bedeutet beim Hochsprung einfach nur, dass man über die 2 Meter gesprungen ist, also die „magische“ 2 Meter-Marke geknackt hat. Das ist bei den Frauen eben ein Maßstab im Hochsprung und man gehört damit zu den Top-Athletinnen der Welt.

Letztes Jahr haben Sie im Juli die magische Zwei-Meter-Marke beim internationalen Hochsprung Meeting in Eberstadt erstmals geknackt… War das Ihr erster Sprung mit einer 2 vor dem Komma oder hatten Sie die zwei Meter schon öfter im Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit gerissen?

Ja, das war mein erster Sprung über 2 Meter. Im Training lag meine Bestleistung bei 1,90 Meter, aber beim Training steht eben auch die Technik im Vordergrund und nicht die Höhe. Das ist auch gar nicht mit einem Wettkampf zu vergleichen. Beim Wettkampf ist allein schon durch die Konkurrenz und die Zuschauer viel mehr Motivation und Adrenalin dabei und so springt man dann auch höher.

Von der weltbesten Hochspringerin trennt Sie damit ein Zentimeter. Nervt das nicht manchmal gewaltig in Ihrem Sport: ein einziger Zentimeter, der fehlt…?

Nein, nerven tut das nicht. Ich sehe das eher als Anreiz und Motivation. Bei einem so hohen Niveau muss man eben um jeden einzelnen Zentimeter kämpfen.

Kenn Sie eigentlich Höhenangst? Beim Anlauf oder beim Absprung – oder vielleicht, wenn Sie auf den Eiffelturm in Paris steigen – der Stadt, in der Sie geboren und die ersten sechs Jahre Ihres Lebens aufgewachsen sind?

Nein, mit Höhenangst habe ich nicht zu kämpfen.

Marie Laurence Jungfleisch Ticketmaster

Marie-Laurence Jungfleisch hatte gute Voraussetzungen für den Hochsprung Foto: Getty Images

Warum haben Sie sich ausgerechnet für Hochsprung entschieden? War es Liebe auf den ersten Blick oder standen andere Erwägungen im Vordergrund?

Ich habe mit 12 Jahren allgemein mit Leichtathletik angefangen, also auch mit Sprint, Kugelstoßen etc. Am Hochsprung hatte ich dann allerdings am meisten Spaß und habe da auch die besten Ergebnisse erzielt. Und da ich groß, aber relativ leicht war, hatte ich dafür auch die besten Voraussetzungen.

Sie haben nicht immer nur Komplimente für Ihr tolles Aussehen bekommen. ihr Vater kommt aus Martinique, Ihre Mutter ist Deutsche. Sie erzählten in einigen Interviews davon, dass Sie in der Schule wegen Ihrer Hautfarbe gehänselt worden seien. Ist das heute noch ein Thema für Sie?

Nein, das ist heute absolut kein Thema mehr. Ich bin mittlerweile sehr selbstbewusst und auch stolz auf meine Herkunft.

War der Sport für Sie damals auch eine Möglichkeit, diesem täglichen Rassismus zu entgehen, Selbstbewusstsein aufzubauen?

Ja, der Sport hat mich auf jeden Fall selbstbewusster gemacht! Und jeder kann etwas gut oder besser als Andere und so würde ich jedem raten, daraus auch seine Stärken zu ziehen.

Damit sind Sie ein Vorbild für viele. Haben Sie diese Erfahrungen auch den Kindern weitergegeben, die Sie betreut haben, denn Sie arbeiteten als ausgebildete Erzieherin in einer Cannstatter Kindertagesstätte – mit Kindern aus den verschiedensten Nationen…

Ich arbeite seit knapp vier Jahren nicht mehr als Erzieherin, da ich zur Zeit als Sportsoldatin bei der Bundeswehr tätig bin. Aber als ich noch in der Kindertagesstätte gearbeitet habe, wurden immer alle Kinder gleich behandelt und respektiert. Es ist wichtig, dass die Kinder stolz auf ihre Herkunft sind und ihre verschiedenen Nationen auch zeigen dürfen – so wurden in unserer Tagesstätte beispielsweise auch mal landestypische Gerichte gekocht.

Marie Laurence Jungfleisch Ticketmaster

Marie-Laurence Jungfleisch hat ihre Wurzeln in Martinique Foto: Getty Images

Ihr Lebensmotto lautet: „Lach nicht über jemanden, der einen Schritt zurück macht, er könnte Anlauf nehmen.“ Gilt dieses Motto für Sie nur in ihrem Sport oder auch in anderen Lebensbereichen?

Im Sport gilt dieses Motto auf jeden Fall und es ist sicher auch auf andere Lebensbereiche übertragbar. Wie bereits gesagt bin auch ich inzwischen sehr selbstbewusst geworden und messe mich heute mit den weltbesten Athletinnen bei Olympia.

Sie treten 2018 bei der Leichtathletik-EM in Berlin an. Was verbindet Sie mit Berlin und ganz besonders mit dem Berliner Olympiastadion und: Dürfen sich die Berliner auf die 2,01 freuen?

Meine erste Deutsche Meisterschaft fand damals ebenfalls im Berliner Olympiastadion statt und da belegte ich den ersten Platz. Ich habe also gute Erfahrungen mit Berlin gemacht und freue mich auf die EM. Ob ich die 2 Meter wieder knacke oder sogar noch einen Zentimeter drauflege, kann ich natürlich nicht versprechen. Ich werde aber mein Bestes geben!

Wann und wo?

Berlin 2018 Leichtathletik-EM | 07.08. – 12.08.2018 | Berlin

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