Musik

Stage Stories: LINA im Interview über ihr brandneues Album „Melodrama“ und dem Start einer neuen Ära
Seit mehreren Jahren mischt LINA in der deutschen Pop‑Landschaft mit und hat sich mit drei Top‑Ten‑Alben, Gold‑Auszeichnungen, zwei Echo‑Nominierungen und ausverkauften Tourneen einen festen Namen gemacht. Mit ihrem neuen Album "Melodrama" und der dazugehörigen Tour läutet sie eine neue Ära ein und liefert ihren Fans ein Werk, das sie in all ihren Facetten zeigt – voll authentisch, voll LINA.
Es ist endlich soweit: LINAs neues Album „Melodrama“ ist da! Ende Februar geht es dann auf die dazugehörige „Melodrama Tour“. Hört hier direkt in das neue Album rein:
Im Stage Stories‑Interview spricht LINA über die Inspiration hinter „Melodrama“, gibt Einblicke in die kommende Tour und erläutert, wie sie es geschafft hat, bei „Melodrama“ die Zügel selbst in die Hand zu nehmen, um ihr volles musikalisches Potenzial auszuschöpfen.
Du bist schon lange musikalisch aktiv und auch live viel unterwegs. Welches Konzert hat dich in deiner Jugend besonders inspiriert? Eines, bei dem du dachtest: So möchte ich meine Musik performen. So möchte ich selbst einmal Musik machen.?
LINA: Ich bin als Hannah-Montana-Kind aufgewachsen und wurde dadurch stark von Miley geprägt. Ich wollte immer so sein wie sie. Auch Amy Winehouse fand ich schon früher total toll. Als Kind hat man das noch nicht ganz verstanden, aber ich fand das Bild einer Frau, die ihre eigenen Songs über ihr gebrochenes Herz schreibt und mit ihrer Gitarre auf der Bühne steht total toll und habe deshalb irgendwann selbst angefangen, Songs zu schreiben.
Was Konzerte betrifft, war ich allerdings nie wirklich eine typische Konzertgängerin. Mein erstes richtig großes, vielleicht sogar überhaupt mein erstes Konzert war One Direction 2014 in Düsseldorf, glaube ich.
Krass, das war eine riesige Stadionshow damals, oder?
LINA: Ja, genau, mein erstes Konzert war direkt im Stadion. Und natürlich dachte ich mir: So etwas möchte ich irgendwann auch einmal machen. Generell sind Hallen wie die Uber Arena oder hier in Hamburg die Barclays Arena einfach wunderbar. Wenn ich dort meine Stars sehe, dann träumt man als Artist natürlich selbst groß.
Was war dein erstes eigenes Konzert? Und erinnerst du dich noch daran, wie du dich gefühlt hast, als du zum ersten Mal ein komplettes Set mit deiner eigenen Musik performt hast?
LINA: Ich habe früher auf Stadtfesten in Hannover gespielt, das waren meine ersten eigenen Konzerte. Dann hatten wir auch im Zuge des ersten Albums ein Promokonzert in einer Schule in Lüneburg, eine kleine Stadt bei Hamburg. Etwa 200 Leute waren da, also definitiv ein richtiges Konzert.
Relativ kurz danach kam schon meine erste Tour, vielleicht ein halbes Jahr später. Ich war damals gerade 18, hatte frisch mein Abi gemacht. Der erste Tourstopp war in Osnabrück. Ich weiß leider nicht mehr genau, wie das Venue hieß, aber es war eine Clubtour. Ich war an diesem Tag extrem krank, fast 41 Grad Fieber, und wir standen kurz davor abzusagen. Deshalb erinnere ich mich so gut daran. Solche Momente brennen sich einfach ein, besonders wenn neben dem Konzert selbst noch etwas so Prägendes passiert. Aber es war wunderbar!
Wenn du wählen könntest: Würdest du lieber eine große Festivalbühne spielen oder in einem kleinen Club wie auf deiner ersten Tour? Was gibt dir als Künstlerin mehr: die riesigen Menschenmengen oder eher die intimen Sets?
LINA: Das ist wirklich schwer zu vergleichen, und ich habe auch – obwohl ich das Ganze schon eine Weile mache – noch gar nicht so viele Festivals gespielt. Deshalb würde ich im Moment sagen: Festivals. Ich glaube aber, wenn man zwei, drei Jahre hintereinander Festivals spielt, sehnt man sich irgendwann wieder nach einer Clubtour.
Das hat einfach etwas Besonderes: die Nähe zu den Leuten und das Gefühl, dass sie wirklich wegen dir kommen und nicht einfach random auf einem Festival sind. Was die Aufregung angeht: Ich weiß noch, wie ich 2023 beim Lollapalooza gespielt habe. Ich habe ein Bild davon in meinem Wohnzimmer hängen, und manchmal schaue ich es an und denke mir, wie absurd das eigentlich ist. Für mich als Künstlerin und als kleines Mädchen, das früher davon geträumt hat, irgendwann mal Hannah Montana zu sein, ist das schon einfach wunderbar. Gleichzeitig freue ich mich aber auch total auf meine Clubtour jetzt, weil ich da alles selbst gestalten kann. Zusammen mit meinem Team entwickle ich gerade die Bühne, den Ablauf und ich habe einfach komplette Freiheit über alles, was in diesen anderthalb Stunden auf der Bühne passiert.
Das finde ich generell immer spannend: Wie läuft das für dich als Künstlerin ab, wenn du schon mehrere Alben und so viele Songs hast? Wie findest du die richtige Mischung für deine Setlist, vor allem, wenn du das neue Album einbauen möchtest? Bist du eher Team Fan-Favorites oder stellst du dir dein Set komplett nach deinem eigenen Gefühl zusammen?
LINA: Dieses Mal war ich tatsächlich ziemlich rabiat. Wir spielen auf jeden Fall alle Tracks vom neuen Album. Danach schaue ich auf meine eigenen Favoriten und natürlich auf die Fan-Favorites, damit die auch nicht fehlen. Dann geht es darum zu überlegen: Wie viele Songs spielen wir insgesamt? Können wir noch etwas dazupacken oder müssen wir leider etwas streichen? Aber vor allem freue ich mich darauf, das neue Album live zu spielen. Deshalb wird wirklich kein Song fehlen.
Ich finde das neue Album richtig stark, vor allem, weil es so tanzbar ist. Das funktioniert live bestimmt super. Gibt es einen Song auf dem neuen Album, auf den du live besonders gespannt bist? Einen, bei dem du dich besonders darauf freust, ihn zu performen?
LINA: Ich freue mich besonders auf Für Immer, aber eigentlich freue ich mich auf alle Songs – das macht die Auswahl so schwierig. Für Immer ist, glaube ich, ein schöner Track, der gut mit dem Publikum resonieren wird und bei dem sich eine sehr wohlig warme Stimmung entwickeln kann. Aber ich freue mich auch auf die kleineren, tanzbareren Nummern wie Tristesse oder Liebst mich. Bei denen interessiert mich total, wie sie live funktionieren und welche Energie sie im Raum erzeugen.
Gab es für dich schon einmal einen Auftritt, bei dem wirklich alles schiefgegangen ist und über den du wahrscheinlich noch in 20 Jahren sprechen wirst? Also abgesehen von dem Fieber-Auftritt auf deiner ersten Tour.
LINA: Das war wirklich krass, aber abgesehen davon hatte ich sowas zum Glück nie. Einmal hatte ich allerdings einen richtig schlimmen Texthänger und das war total unangenehm. Das war bei einer Open-Air-Show in Regensburg und bei einer Ballade – nur Gitarre und ich – wusste ich die komplette erste Strophe nicht mehr. Wirklich gar nicht.
Am Ende hat mir ein Fan aus dem Publikum die vorgesungen. Und selbst dann wusste ich nicht weiter. Das ist mir nur dieses eine Mal passiert, aber es war wie ein komplettes Blackout. Solche Momente verfolgen einen natürlich. Seitdem habe ich immer wieder ein bisschen Angst, dass so etwas nochmal passiert.
Wie lange probst du normalerweise für eine Tour? Habt ihr für die „Melodrama Tour“ schon angefangen?
LINA: Im Kopf probe ich wahrscheinlich schon seit dem Moment, in dem feststeht, dass die Tour kommt. Dann gehe ich immer wieder die Texte und Songs durch und male mir alles aus. Das läuft die ganze Zeit in meinem Kopf. Die richtigen Proben starten dann Ende Januar oder Anfang Februar. Danach gibt es noch die Produktionsproben, die direkt vor der Tour stattfinden. Am Ende werden wir wahrscheinlich insgesamt etwa acht Tage proben. Das wird auch wichtig, vor allem, weil es diesmal ein bisschen besonders wird und kleine Show-Elemente dabei sind.
Wenn du die kommende Tour mit drei Wörtern beschreiben könntest, welche wären das?
LINA: Sehr Lina. Unerwartet. Und das dritte Wort ist Kaffee. Das werdet ihr dann sehen.
LINA | „Melodrama Tour“ 2026
- 27.02.2026, Berlin – Huxleys Neue Welt
- 28.02.2026, Hannover – Capitol
- 01.03.2026, Hamburg – Docks
- 03.03.2026, Stuttgart – Im Wizemann (Halle)
- 04.03.2026, Köln – Carlswerk Victoria
- 06.03.2026, Leipzig – Täubchenthal
- 09.03.2026, München – Muffathalle
- 11.03.2026, Frankfurt am Main – Batschkapp
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Das Album erscheint ja schon am Freitag, und die Promophase läuft bereits auf Hochtouren. Wie fühlst du dich gerade? Überwiegt die Vorfreude oder eher Angst? Wie würdest du deine Gefühlslage kurz vor dem Release beschreiben?
LINA: Ich glaube, es ist ein Mischmasch. Angst habe ich eigentlich gar nicht – zumindest nicht was das das Album betrifft. Eher geht es um die Auftritte drumherum, weil ich da manchmal crazy Stagefright habe und viele ängstliche Emotionen dranhängen. Aber mit dem Album selbst fühle ich mich sehr wohl. Ich freue mich riesig auf den Release, bin aber auch ein bisschen traurig, dass es jetzt schon so weit ist. Man arbeitet so lange daran, und plötzlich muss man es fliegen lassen und man weiß nicht, was passiert. Man muss sich dann auch neu orientieren. Eine Album‑Kampagne ist super stressig, und wenn sie vorbei ist, fragt man sich so: Und jetzt? Ich habe zwar schon Pläne, und ich freue mich sehr auf das, was 2026 kommt, aber im Moment bin ich vor allem froh, dass das Album endlich rauskommt. Und ja: Ich bin wahnsinnig aufgeregt. Ich kann kaum noch schlafen.
Wie bist du auf den Titel gekommen? Stand er von Anfang an fest, oder hat er sich erst mit den ersten Songs ergeben, die du geschrieben hast?
LINA: Mein Manager und ich hatten eine geteilte Notiz, in die wir ständig Ideen geschrieben haben: Wörter, Assoziationen zum Album, mögliche Titel. „Melodrama“ tauchte dort irgendwann auch auf. Ich weiß gar nicht mehr genau, aus welchem Impuls heraus. Wahrscheinlich, weil ich schon ein bisschen dramatisch bin, so würden mich zumindest Menschen beschreiben, die mir nahestehen. Ich bin sehr melancholisch und generell eher melodramatisch angehaucht.
Für meine erste Single hatte ich mich zudem von der „Mad Men“-Serie inspirieren lassen und war sowieso in dieser dramatischen Welt unterwegs. Irgendwann ist entweder mir oder meinem Manager das Wort „Melodrama“ über die Lippen gekommen, und von da an war es irgendwie immer präsent. Eigentlich stand es für mich im Kopf schon früh fest.
Ich erinnere mich, dass mir vorletztes Jahr, im „Brat Summer“, als überall Memes mit der „Brat“-Schrift herumgingen, auf Pinterest plötzlich ein Bild mit dem Wort „Melodrama“ in genau diesem Stil vorgeschlagen wurde. Da dachte ich nur: Okay, das ist crazy. Ich habe das Bild dann in eine Slide eingebaut und dachte: Wie witzig wäre es, wenn das Album am Ende wirklich so heißen würde, und ich es schon 2024 wusste, während sonst niemand eine Ahnung hatte. Wir hatten viele mögliche Titel, aber „Melodrama“ fühlte sich für mich immer am stimmigsten an. Es passt einfach wunderbar.
Im Musikvideo zu Sie weiß (Betty Draper) sagst du vor dem eigentlichen Songbeginn den Satz „Jetzt aber Schluss mit Pferdchen.“ und direkt danach sieht man ein Pferd. Das ist mir total im Kopf geblieben. Inwiefern ist dieses Album für dich ein Neuanfang?
LINA: Für mich ist dieses Album wirklich eine komplett neue Ära. Ich glaube auch, dass manche Leute das Album vielleicht beim ersten Hören noch nicht ganz verstehen werden. Vielleicht braucht diese Ära sogar noch ein zweites Album, aber damit bin ich vollkommen fein. Ich mache Musik, weil ich Musik liebe, nicht wegen des schnellsten Erfolgs, auch wenn Erfolg natürlich schön ist. Es ist definitiv etwas Neues für mich, weil ich dieses Album in einem komplett neuen Team geschrieben habe: neue Produzenten, neue Writer*innen, neues Management, neues Label, neuer Verlag, wirklich alles einmal umgekrempelt. Ich hab mich da auch vielen Ängsten gestellt, weil man natürlich denkt: Was ist, wenn ich damit scheitere? Aber ich fühle mich unfassbar wohl damit.
Musik ist etwas extrem Persönliches. Du schreibst über Themen, die dich tief bewegen, die emotional sind. Ich wollte das unbedingt in einem Umfeld tun, das mir guttut und in dem ich nicht das Gefühl habe, irgendetwas erfüllen zu müssen.
Der Satz mit den „Pferdchen“ war natürlich eine Anspielung darauf, dass jetzt Schluss mit dem Alten ist und gleichzeitig eben doch nicht. Denn das Erste, was im Video auftaucht, ist wieder ein Pferd. Es gehört ja zu mir, nur eben in einer neuen Form: ein Pferd in der fucking Wüste von L.A., während ich in einem tollen Kleid danebenstehe. Für mich symbolisiert das meine Evolution.
Du hast eben erwähnt, dass du dein komplettes Arbeitsumfeld verändert hast. Welche Auswirkungen hatte das auf dich beim Entstehen des neuen Albums? Hast du dich dadurch freier gefühlt oder mehr das Gefühl gehabt, Dinge mitbestimmen zu können?
LINA: Ja, auf jeden Fall konnte ich viel besser mitbestimmen, eigentlich sogar alles bestimmen. Und ich habe ein sehr enges Team, vor allem mein Management, mit dem ich einen brutalen Austausch habe. Teilweise denken wir wie eine Person, was es für andere manchmal schwierig macht, da noch hinterherzukommen. Aber für mich ist das total toll. Ich habe mich dadurch noch einmal ganz neu gefunden. In den letzten drei Jahren habe ich so tolle Menschen kennengelernt, die mich vorher nicht persönlich kannten. Vielleicht wussten sie irgendetwas über mich, aber sie kannten mich nicht als Mensch. Und das war unglaublich wichtig, damit ich wirklich ich selbst sein kann, ohne alte Belastungen, die in bestimmten Konstrukten gern rumschwirren.
Musik ist etwas extrem Persönliches. Du schreibst über Themen, die dich tief bewegen, die emotional sind. Ich wollte das unbedingt in einem Umfeld tun, das mir guttut und in dem ich nicht das Gefühl habe, irgendetwas erfüllen zu müssen, sondern mit dem ich gemeinsam etwas Schönes schaffen und mich neu entdecken kann. Deshalb haben wir auch immer wieder das Blumensymbol aufgegriffen, auch im Artwork und im Sleeve der Vinyl tauchen Blumen auf. In der Danksagung habe ich geschrieben, dass die Blumen für Aufblühen und neuen Mut stehen. Denn ich kam aus einer Zeit, in der ich manchmal dachte: Vielleicht lasse ich es einfach. Musik hat mich eine Weile wegen verschiedener Umstände wirklich unglücklich gemacht. Und genau deshalb bedeutet mir dieses neue Umfeld, dieses Album und diese neue Ära so viel.
In Wieder da singst du: „Ich hol mir zurück, was ich verpasst habe. Es fühlt sich gut an, ich hab mich vermisst.“ Das passt ja perfekt zu dem, was du gerade beschrieben hast. War das auch bewusst so gesetzt, dass du direkt mit dem ersten Song genau dieses Gefühl nach außen trägst?
LINA: Das war tatsächlich ganz lustig, weil ich zu Hause noch einige Demos liegen habe, bei denen ich manchmal denke: „Schade, dass die es nicht aufs Album geschafft haben.“ Aber Wieder da war irgendwie von Anfang an gesetzt. Da war klar: Der muss an den Anfang.
Selbst als wir später noch den Song geschrieben haben, der wirklich Melodrama heißt, waren wir uns einig, dass der nur auf Platz zwei stehen kann. Wieder da musste einfach die Eins sein, weil es am meisten Sinn ergibt, damit das Album einzuleiten. Eigentlich wollten wir ihn sogar als erste Single veröffentlichen, aber am Ende haben wir uns für einen anderen Track entschieden. Ich mag Wieder da sehr, weil er so vieles beschreibt, nicht nur das Ende einer langjährigen Beziehung sondern auch, dass ich jetzt in einem komplett neuen Umfeld bin. Und vielleicht steckt auch ein kleines Augenzwinkern drin, so in Richtung einiger Menschen von früher, die vielleicht nicht mehr an mich geglaubt haben. Wir reden heute nicht mehr, aber: Ich bin wieder da. Und ich gehe jetzt meinen eigenen Weg.
Du hast auch sehr verletzliche Titel wie Für Immer oder Morgen ist auch noch ein Tag. In deinem Podcast „Fühl ich“ sprichst du auch über sehr persönliche und wichtige Themen. Wie hat dir dieser Podcast dabei geholfen, für das neue Album deine Gefühle in Worte zu fassen und diese Authentizität in deine Songs zu bringen?
LINA: Gut, würde ich sagen. Ich liebe den Podcast, und ich möchte auf jeden Fall eine Form davon weiterführen. Das war definitiv nicht das Letzte, was man podcastmäßig von mir hören wird, weil er mir von Anfang an unfassbar viel bedeutet hat. Er hat mir auch sehr geholfen, einfach weil er eine intensive Auseinandersetzung mit mir selbst, meinen Gefühlen und meiner emotionalen Welt war.
Im Podcast habe ich Dinge ausgesprochen, die ich vorher nie so nach außen getragen habe. Ich habe gelernt, Dinge in Worte zu fassen und Gedanken zu sortieren. Und jede Form von Mitteilung hilft bei einem Albumprozess. Man weiß dann schon, wie es sich anfühlt, sich zu öffnen und wie Menschen fühlen, wie ich fühle. Und in Songwriting-Sessions ist das total schön, wenn man mit Leuten arbeitet, die bereit sind, tiefzugehen, und man das Gefühl hat, aus sich selbst schöpfen zu können, weil man sich vorher wirklich mit allem beschäftigt hat.
Der Podcast hatte auch immer den Anspruch, anderen etwas mitzugeben. Mir war wichtig, dass er nicht einfach Nonsense ist. Deshalb war er auch immer gemeinsam mit Psycholog*innen aufgebaut, damit es fachlich richtig ist und immer ein kleiner Hoffnungsschimmer am Ende bleibt.
Morgen ist auch noch ein Tag ist ein sehr trauriger Song, aber genau deshalb wollte ich ihn ans Ende des Albums setzen. Dieser kleine Mini-Wink – „morgen ist auch noch ein Tag“ –verbindet alles miteinander. Für mich ist das einerseits eine Überleitung zu einem zukünftigen Album. Und auch selbst wenn alles tiefschwarz wirkt, geht die Sonne morgen trotzdem wieder auf.
Passend dazu: Das Album verarbeitet ja sehr viel. Was würdest du dir wünschen, was die Menschen daraus mitnehmen?
LINA: Ich glaube, dass man sich als Person wirklich so richtig verlieren kann. Ich hätte vor drei Jahren zum Beispiel niemals gedacht, dass ich mein Klavier zu Hause überhaupt nochmal anrühren würde, geschweige denn Songs darauf schreibe. Oder dass ich mich wieder Menschen in meinem Leben öffnen kann, so wie ich es heute kann.
Ich habe gelernt, dass man aus einem sehr tiefen Niederschlag wachsen kann. Für mich ist dieses Album genau das: Wachstum und die Erkenntnis, dass selbst wenn gerade privat nicht alles rosig ist und ich mich manchmal sehr allein fühle, sich trotzdem etwas verändert hat. Beruflich hat sich für mich enorm viel getan. Es ist vielleicht nicht alles super, aber dieser eine Baustein, die Musik, der mich lange belastet hat und viele Ängste mit sich gebracht hat, fühlt sich jetzt besser an. Und manchmal muss man das anerkennen: Vielleicht ist eine Sache noch schwierig oder sogar schlimmer geworden, aber ein anderer Baustein funktioniert und macht mich glücklich.
Ich glaube, im Leben gibt es Situationen, in denen man Entscheidungen trifft, die unfassbar scary sind und manchmal macht man dabei Fehler. Aber in meinem Fall kann ich sagen: Auch wenn nicht alles „aufgeräumt“ ist und ich immer noch über gewisse Dinge traurig bin, habe ich Schritte gemacht, die für mich privat wichtig waren. Ich bin jetzt 28, und es gibt dieses schöne Zitat: „Du hast noch gar nicht all die Menschen getroffen, die dich einmal lieben werden.“ Das finde ich so schön. Meinen besten Freund kannte ich vor vier Jahren noch nicht und heute fühlt es sich an, als würden wir uns schon immer kennen. Dieses Gefühl von Aufblühen steckt für mich im ganzen Album, deshalb klingt es nicht zurückgenommen, sondern nach vorn.
Gab es besondere Highlights während des Prozesses? Du warst ja zum Beispiel für den Musikvideodreh in L.A. Gibt es noch andere Momente, die dir besonders im Kopf geblieben sind oder die für dich ganz neue Erfahrungen waren?
LINA: L.A. hat für mich wirklich alles getoppt. Das war einfach wunderbar. Vor allem, wenn ich an meine Hannah-Montana-Kindheit denke. Ich konnte kaum glauben, dass ich wirklich 80 Kilometer von Malibu entfernt mein Musikvideo drehen durfte, mit Menschen, die ich mag, und ohne mich dabei in den finanziellen Ruin zu stürzen. Ich dachte wirklich: Das kann doch nicht sein. Hätte mir jemand das vor drei Jahren gesagt, hätte ich dem den Vogel gezeigt: „Genau, und Taylor Swift ist deine Schwester.“ Ja, es war wirklich wild. Ich war zwar sehr krank, weil dieser Flug mich und meinen Manager lustigerweise komplett dahingerafft hat. Es war natürlich unglaublich stressig. Wenn du nur für sechs Nächte nach L.A. fliegst, haunted dich der Jetlag noch drei Wochen später.
Ein weiteres Highlight war, dass mein Verlag zwei kleine Songwriting-Camps für mich und mein Team organisiert hat. Wir haben jeweils fünf Tage am Stück in einem Haus zusammen Musik gemacht. Das erste Camp fand mitten im Winter im Dezember 2024 an der Ostsee statt. Das war mein erstes eigenes Songwriting-Camp, weil ich in den Jahren davor immer in einem sehr festen Konstrukt gearbeitet habe. Diesmal war es mit vielen neuen Leuten in einem Haus, also eigentlich eine beängstigende Situation, aber es war so toll. Ich glaube auch, dass die Release-Events, die jetzt kommen, nochmal sehr prägende Momente sein werden. Direkt nach L.A. hatten wir schon ein Listening Event, bei dem wir dem Label, dem Verlag und 50 Fans die Songs vorgestellt haben, die bis dahin standen. Da haben besonders mein engeres Team und ich gemerkt: So kann das aussehen, und so wird es aussehen!


