Musik

Stage Stories: Worakls im Interview über sein Album „From one blink to another“ und die Zukunft der Elektro-Musik

Wenn man an elektronische Musik denkt, kommen einem oft pulsierende Beats, dunkle Clubs und tanzende Massen in den Sinn. Für Worakls jedoch ist elektronische Musik weit mehr als das – sie ist ein Fundament, auf dem sich ganze Klangwelten errichten lassen. Im Interview erzählt er, wie Metallica, Eric Prydz und ein Kindheitsversprechen seine Karriere geprägt haben.

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Während sich Worakls auf seine Release-Show im Ritter Butzke in Berlin vorbereitet, sprachen wir von Ticketmaster DE mit dem französischen Multiinstrumentalisten über die Verbindung klassischer Musik mit Elektro, sein neues Album, die kommende Tour im Frühjahr 2026 und all die Inspiration, die Worakls samt Orchester zu einem der spannendsten Visionäre der Elektro-Szene macht.


Welches Konzert hat dich dazu inspiriert, selbst Musik zu machen?

Schon mit drei Jahren begann Worakls Musik zu machen – lange bevor er ein Konzert besuchte. Doch zwei Erlebnisse veränderten seine musikalische Laufbahn grundlegend: Ein Video von Metallica mit einem Symphonieorchester zeigte ihm, wie kraftvoll klassische Instrumente moderne Musik erweitern können. Das prägte seine Vision für eigene Musik.

„Und das brachte mich auf die Idee. Ich dachte, die Tracks wären genau gleich, aber tatsächlich hatten sie viel mehr Power, waren breiter, schöner – einfach alles.“

Später inspirierte ihn ein Club-Set von Eric Prydz, der ausschließlich eigene Tracks spielte. „Du musst keine Banger aneinanderreihen – du musst dein eigenes Universum erschaffen“, sagt er. Seitdem spielt er nur noch eigene Kompositionen.

„Und genau in diesem Moment habe ich zwei sehr, sehr wichtige Dinge erkannt, die meine Karriere wirklich beeinflussen würden. Das erste war: Er spielte keine angesagten Tracks – nur seine eigenen. Das war die erste Lektion. Dadurch habe ich verstanden, dass man nicht einfach einen Hit nach dem anderen spielen muss. Man muss vielmehr sein eigenes Universum erschaffen, seinen eigenen Raum, in dem sich jeder willkommen fühlt, ihn versteht und wirklich in eine besondere Welt mit dir eintauchen kann.“

Zuvor hatte Worakls teilweise Schwierigkeiten, sich mit seiner eigenen Musik verbunden zu fühlen – obwohl er ein Fan elektronischer Klänge war und zu diesem Zeitpunkt bereits seit 18 Jahren Musik machte. Das Set von Eric Prydz öffnete ihm die Augen: „Eigentlich ist elektronische Musik nicht nur Electro, Techno oder House. Es ist nicht nur das. Sie kann alles sein, was du willst.“


Wie kam das Konzept zustande, elektronische Musik mit Orchester zu verbinden?

Auch hier entgegnet Worakls mit dem Beispiel von Metallica und ihre Orchester-Konzerten. Als er sich länger mit der Inszenierung von Metallica beschäftigte dachte er sich: „Okay, weißt du, was verrückt ist? Es gibt absolut keinen Unterschied. Die Stücke sind die gleichen Stücke, aber sie sind schöner, breiter, tiefer – einfach alles besser. Aber es sind die gleichen Stücke.“

„Es bedeutet, dass egal, was der Komponist in seiner Komposition ausdrücken wollte – sei es Master of Puppets oder Until It Sleeps oder irgendein Metallica-Track – es war genau die gleiche Stimmung, genau die gleiche Emotion, alles war gleich, nur besser. Sobald ich das gesehen hatte, behielt ich es im Kopf und dachte: ‚Okay, wenn ich eines Tages die bestmögliche Musik machen will, dann muss ich ein Orchester einsetzen. Punkt.'“


Du hast am Konservatorium studiert – wie beeinflusst dich das heute?

Obwohl er am Konservatorium studierte, brach er die Ausbildung mit zwölf ab – ein Glücksfall, wie er heute sagt. „Ich wurde nicht in der klassischen Welt gefangen“, erklärt er. Stattdessen begann er zu komponieren, um ein Versprechen an seine Großmutter zu halten nie aufzuhören zu spielen.


Was ist deine Mission als Künstler?

Die Offenheit gegenüber Genres und Kulturen prägt seine Musik bis heute. Sein neues Album ist eine Antwort auf die Frage: Wie kann man Orchestermusik in die Gegenwart holen? Seine Antwort: durch Pop, Techno – oder K-Pop.

„Meine Karriere ist eigentlich eine Art Mission, die ich mir selbst gesetzt habe: die Frage zu beantworten, wie man Orchestermusik erneuern kann. Und meine Antwort ist, dass man das auf viele verschiedene Arten tun kann – durch Pop, durch Techno, durch was auch immer man möchte.“


Was bedeutet der Albumtitel „From one blink to another“?

Auf diese Frage antwortet Worakls so poetisch wie sein Albumtitel: „Es scheint, als würde die Welt in letzter Zeit sehr schnell von einem Extrem zum anderen wechseln. Klimawandel, politische Situationen, soziale Ungerechtigkeiten – so viele Dinge geschehen. From one blink to another bedeutet, dass sich von einem Augenblick zum nächsten alles verändern kann: von Song zu Song, von Katastrophe zu Schönheit – zu was auch immer.“

Ein besonderes Highlight des Albums ist die Zusammenarbeit mit der koreanischen Künstlerin HEYOON. „Wir wussten beide nicht, wie das funktionieren sollte“, erzählt er lachend. Doch im Studio fanden sie eine gemeinsame Sprache. „Es geht darum, unsere Welten kollidieren zu lassen und etwas Neues zu schaffen.“ Das Ergebnis: ein poetischer Track, der kulturelle Grenzen überwindet.

Worakls - 목소리 (feat. HEYOON)

Wie unterscheiden sich für dich Konzerte in großen Hallen zu kleineren Club-Shows?

Worakls zögert keine Sekunde: Für ihn macht es keinen großen Unterschied. Er genießt es gleichermaßen, wenn ihm Fans bei kleineren Club-Shows ein Lächeln schenken oder ein High Five geben, wie auch das überwältigende Gefühl, vor einer großen Menschenmenge zu spielen.

„Am liebsten spiele ich Konzerte und keine Club-Shows – ich bin kein DJ und benutze keine Schallplatten. Ich komponiere und schreibe für ein Orchester.“

Ob Club oder Konzerthalle – Worakls liebt beides. Doch seine Leidenschaft gilt dem orchestralen Live-Erlebnis. „Ein Konzert ist wie ein Theaterstück“, sagt er. Mit Lichtshow, Dramaturgie und Präzision entsteht ein Spektakel, das weit über das spontane Auflegen hinausgeht. „Es ist für alle verständlich – Musiker und Nicht-Musiker.“


Was können wir von deiner Tour im März und April 2026 erwarten?

Im März und April 2026 geht Worakls auf Tour – unter anderem in Berlin. Was erwartet die Fans? „Größer, schöner, kraftvoller“, verspricht er. Die neuen Tracks werden live neu interpretiert, verlängert und inszeniert. „Ein gutes Konzert gibt den Leuten, was sie erwarten – und überrascht sie gleichzeitig.“

Worakls Orchestra live in Berlin 2026

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Ob Paris, Istanbul oder Nordamerika – Worakls liebt die kulturelle Vielfalt seiner Tourneen. „Ich bin dankbar, so viele verschiedene Welten erleben zu dürfen“, sagt er. Und auch wenn er keine Lieblingsstadt hat, freut er sich besonders auf Berlin: „Kommt vorbei, bringt jemanden mit – es wird poetisch, rockig und für alle verständlich.“


Abschließend möchte Worakls seinen Hörer*innen noch eins ans Herz legen:

„Ich denke, die Show werden Musiker und Nicht-Musiker gleichermaßen genießen. Es ist für jeden verständlich. Und es geht darum, das Ganze auf eine Weise zu erneuern, die schön, poetisch und gleichzeitig mitreißend ist.

Es ist nicht irgendwie schläfrig oder langweilig. Es ist wirklich Rock’n’Roll. Wenn du dir einige Tracks meines Albums anhörst, wie Power oder Furia Electronica oder sogar den Track, den ich mit Carl Cox gemacht habe – das geht richtig nach vorne, es ist nicht langsam.

Und es gibt diese Vorstellung vieler Leute, dass ein Orchester alles langsamer und flacher macht. Das stimmt überhaupt nicht. Und ich bin hier, um das zu beweisen.“