Musik

Rex Orange County: Infos zu den Shows in Köln + Berlin

UPDATE (12.03. 17:45 Uhr): Die Rex Orange County Konzerte wurden abgesagt. Foto: WME

Rex Orange County stattet diese Woche im Zuge seiner „The Pony Tour“ Deutschland einen Besuch ab. Vom 11. bis 13. März wollte Rex Orange County drei Konzerte in Hamburg, Berlin und Köln spielen.

Wichtige Änderung für Berlin und Köln:

Kurz vor Einlass des ersten Berlin-Konzerts wurden alle Shows abgesagt:

„Aufgrund der aktuellen besorgniserregenden Situation mit Hinblick auf die Verbreitung von Covid-19, bin ich gezwungen, meine kommenden Shows in Europa abzusagen, davon ist auch die heutige Show in Berlin betroffen. Wir haben uns diese Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht; wir sind sehr enttäuscht, dennoch wissen wir, dass es unter diesen Umständen keine andere Wahl gibt, wenn es um die Sicherheit meiner Fans, Crew und Band geht.“ (Live Nation)

Für seinen Stopp in Berlin hat sich Rex Orange County etwas besonderes einfallen lassen: Unweit der Konzertlocation in Friedrichshain, genauer gesagt in der Simon-Dach-Straße 1, wird für nur zwei Stunden der „The Pony Pop-Up Store“ seine Türen öffnen.

Dort können sich Fans nicht nur exklusives Merchandise sichern und limitierte Vinyl-Platten besorgen, sondern Alex auch kurz vor seinen Shows im Astra Hallo sagen. Alle Infos im Überblick:

Rex Orange County’s Pop-Up Store in Berlin

  • Wann? Am Donnerstag, 12. März von 15 bis 17 Uhr
  • Wo? Simon-Dach-Straße 1, 10245 Berlin-Friedrichshain
  • Was? Limitierte Merch-Editionen, exklusive Artikel, Vinyl + Alex Hi sagen

Hier findet du die Facebook-Veranstaltung.

Rex Orange County vor „Pony-Tour“ im Gespräch

Gerade mal 21 Jahre ist Alexnader O’Connor alias Rex Orange County alt – und trotzdem steht sein Name auf dem Poster des Coachella-Festivals schon in der Zeile direkt unter dem Headliner. Auch hierzulande spricht sich die Klasse und der Charme des Briten so langsam herum – von denen man sich im März live überzeugen lassen kann. Steffen Rüth (Applause Magazin) sprach mit O’Connor über die Tour und sein aktuelles Album „Pony“.   

Ach, dieses glamouröse Leben der Popstars: Als er zur verabredeten Zeit am frühen Nachmittag anruft, steht Alexander O’Connor, der sich als Musiker Rex Orange County nennt, aber als Rufname weiter lieber „Alex“ als „Rex“ verwenden mag, gerade in der Küche jener Wohnung im Südwesten Londons unweit von Wimbledon, die er gemeinsam mit seiner Freundin Thea bewohnt, und kocht für beide einen Tee. „Heute ist ein ruhiger Tag“, sagt er und klingt dabei so ein wenig wie Opa, der sich beim Aufstehen aus dem Schaukelstuhl den Staub aus der Hose klopft. „Wir beide mögen es unheimlich gern, wenn mal so richtig gar nichts los ist. Vielleicht gehen wir nachher noch eine Runde im Grünen spazieren, aber mehr steht wirklich nicht an.“

Rex Orange County

Bei seinem letzten Live-Auftritt in Deutschland versüßte Rex Orange County beim Lollapalooza in Berlin auf der Alternative Stage den Sonntagnachmittag.

Natürlich weiß O’Connor selbst am besten, dass solche netten, ruhigen Tage, um es mal frei nach Fettes Brot zu formulieren, für ihn eher spärlich gesät sind. Schließlich gehört Rex Orange County gerade zu den gefragtesten neuen Popmusikern des Planeten. Sein im Oktober veröffentlichtes, drittes Album „Pony“, mit dem er nun auf Tournee geht, schaffte es in Großbritannien, den USA, Kanada, Australien und Neuseeland in die Top Five, und insbesondere auf der britischen Insel ist er einem breiteren Publikum seit seinem zweiten Platz bei der „BBC Sound of 2018“-Abstimmung sowieso ein Begriff.

„Ich war ganz froh, dass Sigrid erste geworden ist und nicht ich“, sagt Alex in einem Tonfall zwischen lakonisch und freundlich, jedenfalls meilenweit weg von jedwedem Arroganz-Anflug. „Das war eine nette Anerkennung, und das Radio der BBC hinter dir zu haben, ist eine große Sache. Aber mehr Druck hatte ich dadurch nicht.“

Er habe sich, so Rex Orange County, in einem für ihn schwierigen, von einer Schreibblockade, Selbstzweifeln und zwischenmenschlichen Enttäuschungen geprägten, 2018 nicht hetzen lassen mit „Pony“. „Ich kann nicht gut Lieder schreiben, wenn ich gestresst oder schlecht drauf bin. Also blieb mir nur die Möglichkeit, zu warten, bis ich wieder Freude fühlte.“ Das sei Anfang 2019 der Fall gewesen.

Rex Orange County Tournee Pony

Zunächst stellte Rex Orange County auf Tour in Nordamerika sein neues Album vor, im Frühjahr geht es dann nach Deutschland. Foto: WME

Wer „Pony“ („Ich mag einfach, wie das Wort klingt und aussieht“) hört, bekommt nun einen erstaunlich detaillierten Einblick in das Leben und die Nöte des Alex O’Connor. Er habe sich verändert in den vergangenen Jahren, seit seinen Alben „bcos u will never b free“ (2016) und „Apricot Princess“ (2017), betitelt nach dem Kosenamen für seine Freundin). Einerseits, so stellt er fest, bleibe ohnehin kaum ein Stein auf dem anderen in der Phase zwischen ungefähr 16 und ungefähr Anfang 20. Andererseits sei er zusätzlich noch in dieses eigenartige, ungewohnte Leben hineingeschleudert worden, mit dem er erstmal warmwerden musste und noch muss.

„Ich habe sehr viel Neues in vergleichsweise kurzer Zeit erlebt“, so Rex Orange County. „Und weil ich dazu neige, alles ernst zu nehmen, war ich oft sehr müde vom ganzen Nachdenken über Dinge, die viele in meinem Alter bewegen, aber mich aufgrund der Umstände besonders.“ Alex ist 21, im Mai wird er 22, äußerlich ginge er wohl noch als Teenager durch, „doch es gibt Momente, da muss ich die junge Version eines Mannes, die ich ja tatsächlich bin, erst wiederfinden. Ich fühle mich oft ganz schön alt und komisch.“

Besonders krass sei es auf seiner ersten richtig massiven Tournee vor zwei Jahren gewesen. „Ich war überall, sah wahnsinnig viel und machte all diese neuen Erfahrungen.“ Aber er sei auch immer frustrierter und wütender geworden, weil ein Teil der Leute, mit denen er zusammen tourte, ihm nicht guttaten. „Die Shows waren cool, aber mehrere Menschen in meinem Umfeld pflegten Gewohnheiten, die ich definitiv als unpassend empfand.“

Mädels aufreißen, Drogen, Alkohol und Clubs – für viele eine feine Sache, für Rex Orange County der Horror. „Face To Face“, ein musikalisch flottes, fluffiges Handklatsch-Pop-Soul-Stück, gibt die Situation besonders schön wieder. „Der Song beschreibt, wie wir beide in unseren Betten liegen, ich spätabends und sie frühmorgens, und uns ganz schrecklich vermissen. Ich wollte einfach nur zu Hause bei ihr sein.“ Auch „It Gets Better“ handelt von Thea, seit vier Jahren, also noch bevor der Wahnsinn losging, sind die beiden zusammen. „Auch als Paar mussten wir uns erst hineinfuchsen in die neue Situation. Wir sind schon sehr eng miteinander verbunden. Sie sieht vieles durch meine Augen, und ich durch ihre.“

Getrennt, teils bewusst, teils unbewusst, hat sich Alex, der in bürgerlich-unauffälligen Verhältnissen in der Grafschaft Surrey, nicht weit entfernt von seiner jetzigen Bleibe, aufwuchs, im Schulchor sang und mit 15, 16 Jahren die Lust am Songschreiben, Singen und Produzieren (sein erstes Stück hieß „Corduroy Dreams“) entdeckte, hingegen von einer Reihe alter Freunde. „10/10“ beschreibt diesen Prozess der Entfremdung, auch „It’s Not The Same Anymore“. „Ohne, dass etwas vorgefallen ist, werden die Abstände, in denen man miteinander spricht oder sich sieht, größer und größer. Ich denke, das ist soweit normal. Hart finde ich nur, wenn diese ehemaligen Freunde sich plötzlich genau dann wieder melden, wenn ich eine neue Single draußen habe oder ein Konzert spiele. Da fühlt man sich dann benutzt und verarscht.“

Dass die Musik auf „Pony“ durchaus heller und heiterer klingt als die ernsten Inhalte es nahelegen, ist ein weiterer Pluspunkt im Werk dieses Jungen, der seinen musikalischen Schliff auf jener vielgerühmten „BRIT School“ bekam, auf die einst etwa auch Amy Winehouse oder Adele gingen. Stilistisch ist das strenggenommen kaum greifbar. Alex liebt und macht Pop, Soul, R&B, Jazz, Folk und HipHop, und er schraubt seine Stücke, wie etwa auch Billie Eilish, daheim ohne großes Studio mit schlichten Mitteln zusammen. Bedroom-Pop nennt man das.

Und Rex Orange County mag zwar ein bescheidener, lieber, manchmal ruhebedürftiger Kerl sein, ambitioniert und auch kess ist er natürlich schon. Immerhin hat er vor zwei Jahren den legendären Songwriter Randy Newman kontaktiert, ob dieser auf seiner, Alex‘, Version von Newmans Klassiker „You’ve Got A Friend In Me“ mitwirken möchte. Randy Newman mochte. Und kam sogar raus auf die Bühne, als Rex Orange County den Song beim Konzert in Los Angeles spielte. Ein etwas verwackeltes Handy-Video vom Auftritt gibt es bei YouTube:

„Ich fühlte mich wirklich gesegnet und glücklich“, sagt er, „aber ich glaube, Randy hatte auch seinen Spaß. So viele 15-jährige kreischende Fans dürfte er aus seinen eigenen Shows eher nicht mehr gewohnt sein.“

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