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Wie die Harry Potter Saga 2020 in Hamburg weiter geht

Anfang des Jahres starteten die deutschen Aufführungen des von Rowling mitgeschriebenen Stückes „Harry Potter und das verwunschene Kind“ im Mehr! Theater in Hamburg – eine Produktion, wie sie die deutsche Theaterbranche selten erlebt hat. Warum Harry Potter auch über 20 Jahre nach der Veröffentlichung des ersten Buches nicht an Reiz verloren hat und was die Fans im neuen "achten" Teil auf der Theaterbühne erwartet, erklärt Michael Schütz.

Über 20 Jahre ist es her, seit der erste Band der Kult-Roman-Reihe von J.K. Rowling erschienen ist – und trotzdem haben die Geschichten um Harry Potter bis heute nicht an Reiz verloren. Im Gegenteil: der Hype wird in schöner Regelmäßigkeit neu befeuert. Im Kino zum Beispiel durch den Ableger „Phantastische Tierwesen“ und nun auch im Theater: Mit Harry Potter und das verwunschene Kind startet in Hamburg der nächste Teil der Harry Potter Geschichte als zweiteiliges Theaterstück. Eine gute Gelegenheit, um noch einmal kurz zu erklären, warum Harry Potter heute viel mehr ist als „nur“ eine der erfolgreichsten Roman-Reihen aller Zeiten.

Gryffindor 4 Life!

Man hätte ja damals meinen können, dass der Potter-Hype nach dem Erscheinen des letzten Bandes ein wenig zur Ruhe kommt. Das wäre im Jahr 2007 gewesen, als „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ des Nächtens auf Euro-Paletten in die Buchhandlungen geschoben wurde, in denen schon die Fans warteten. Gerne mal verkleidet als Harry, Hermine, Ron – oder, wer eher dem Bösen zugeneigt war – als Draco oder gar als Voldemo… pardon, „der, dessen Name nicht genannt werden darf.“

Nächster Punkt, an dem man etwas Ruhe erwartete, wäre dann der letzte Kinofilm mit Daniel Radcliffe als Harry gewesen, der 2011 erschien – und das langsame Hinabschreiten in
erwachsene, bedrohliche Zauberwelten fast noch konsequenter vollzog, als es die Bücher taten. Aber auch danach ging es munter weiter. Bis heute versucht nämlich die Generation Potter, ihre Kids mit den Büchern anzufixen. Und bis heute halten sich die Filme in den „Beliebt beim Publikum“-Listen der Streaming-Dienste, die sie im Angebot haben. Ähnlich wacker hält sich da vielleicht nur der „Herr der Ringe“ oder „Star Wars“.

Harry Potter Shop Berlin

Von Süßigkeiten bis Quidditch Trikots: Harry Potter ist seit jeher eine riesige Marke dank cleverem Marketing.

Die Gründe dafür liegen natürlich auch und vor allem im Reiz der Geschichte und der schillernden Welt, die sie aufmacht. Die reizvolle, magische Welt in unserer Welt, der schulische Abenteuerspielplatz Hogwarts, die komplexen Haupt- und Nebencharaktere, in denen sich Millionen Kids und auch Erwachsene wiederfinden, die magischen Häuser Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw und Slytherin – aber auch die zahlreichen, wundervollen Idee wie zum Beispiel der Zauber-Volkssport Quidditch – all das liefert ein Kopfkino-Futter, das seinesgleichen sucht. Bei all dem muss man aber auch betonen, dass Harry Potter eine riesige Marke geworden ist und Rowling mit ihren Partnern sehr cleveres Marketing betrieben hat. Was gar nicht despektierlich gemeint ist – wenn zum Beispiel das Fan-Merchandise so toll aussieht wie die Quidditch-Trikots, lässt man sich das ja gerne gefallen.

Über eine Million Fan-Fiction-Fortsetzungen

Aber während Rowling auf diesem Feld als gewiefte Geschäftsfrau agiert und ihr Copyright in strengem Blick hat, lässt sie eine andere Welt munter gewähren. Und auch hier findet sich ein Grund, warum das „Potterverse“ noch immer wächst und gedeiht und wie im Falle des neuen Theaterstücks immer noch Verkaufsrekorde brechen kann. Denn die Geschichten um Harry Potter mögen zwar Rowlings Fantasie entsprungen sein – aber sie wurde von tausenden Fan-Fiction-Autorinnen und -Autoren als dankbares Material aufgenommen. Allein auf der Website „Archive of Our Own“ – eines der zwei größten Fan-Fiction-Portale – finden sich über eine Millionen Geschichten aus der Welt von Harry Potter.

Mal erzählen diese Geschehnisse aus, die in den Romanen nur angedeutet werden oder spinnen die Geschichte Harrys nach dem Buchende weiter, oft aber werfen sie die Charaktere in wundervolle, bisweilen gar queere Konstruktionen. Die Erzählrichtung, dass Harry in Wirklichkeit in seinen Erzfeind Draco verliebt ist, zählt zum Beispiel zu den beliebtesten in der Fan-Fiction-Welt. An der Anzahl dieser Geschichten lässt sich also ungefähr erahnen, wie groß, treu und fantasievoll die Fan-Armada ist.

HP Theater Hamburg

Wie hier am New Yorker Broadway feiert Harry Potter mit Teil 8 sein Comeback auf der Theaterbühne – bald auch in Hamburg. Foto: Matthew Murphy

Während Rowling im Kino lieber die Geschichte von „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ um den Magizoologen Newt Scamander auf Blockbuster-Level weiterspinnt und gerade der dritte Teil entsteht, lieferte sie ihre Antworten auf Harrys weiteren Lebensweg im Sommer 2016 mit dem Theaterstück „Harry Potter and the Cursed Child“, dessen Skript quasi zeitgleich auch als Buch erschien. Geschrieben von Rowling mit John Tiffany und fürs Theater adaptiert von Jack Thorne, sammelte diese Geschichte die Fäden dort auf, wo das letzte Buchkapitel sie dem Fandom überlassen hat.

Achter Harry Potter Teil als Theaterstück

Und sie hatte einige Überraschungen auf Lager: Nein, der erwachsene Harry Potter ist keine gefeierte Zaubererlegende, auf ein Podest gehoben und sich ewig sonnend im Glanze seines Triumphs über Voldemort. Er ist kein Werbegesicht für magische Sicherheit, hat keine Autobiografie geschrieben und auch sonst keine astronomisch-steile Karriere hingelegt. Harry Potter ist einer von uns. Er hat einen Bürojob im Zaubereiministerium, er ist genervt und desillusioniert. In seinem Leben läuft alles irgendwie, aber auch irgendwie nicht so, wie er es gerne hätte.

Sein zweiter Sohn, Albus Severus Potter, stürzt sich beherzt in eine Teenage-Identitätskrise und fühlt sich außerstande, die großen Fußstapfen seines Vaters auszufüllen, was ganz klassisch zu grundsätzlicher Ablehnung besagter Fußstapfen und trotzigem Vater-Sohn-Krach führt. Das ist doch bestimmt alles der Einfluss von diesem Scorpius Malfoy, oder? Dracos Sohn ist nämlich, zu Harrys großem Missmut, Albus Potters bester Freund.

J.K. Rowling Hamburg Harry Potter

J.K. Rowling (mittig) war auch an der deutschsprachigen Version des Harry Potter Theaterstücks in Hamburg involviert. Untersützung bekam sie von Jack Thorne (Textbuch, links) und John Tiffany (Regie, rechts). Foto: Debra Hurford Brown

Die deutsche Version des Stücks, bei der auch Rowling wieder involviert war und höchstselbst das Casting absegnete, startet nun im Mehr! Theater am Großmarkt, wo es in zwei Teilen aufgeführt wird. Die Spielstätte wurde in den letzten Monaten aufwendig umgebaut und wird mindestens drei Jahre lang täglich Harry Potter auf die Bühne bringen. Satte 45 Millionen wurden laut NDR für den Umbau investiert, der sich als komplex herausstellte, da das Gebäude am Großmarkt unter Denkmalsschutz steht.

Vor dem Theater entstand zudem ein neues Gebäude für die Besucherinnen und Besucher. Aber die Aufführung ist nun mal nicht weniger als eine Sensation: Denn sie ist die erste nicht englische Produktion des Stücks. Der Erfolg scheint schon jetzt gesichert, denn die Fan-Armada aller Altersklassen sorgte für einen regelrechten Run auf die Tickets. Man muss also vielleicht ein wenig Geduld mitbringen bis zum nächsten freien Termin – aber ein Spektakel wie dieses sollte jeder gesehen haben, der auch nur einmal – ob im Kino oder im Roman – Harry und seinen Freunden und Feinden begegnet ist.


Harry Potter und das verwunschene Kind in Hamburg

  • Wo: Mehr! Theater am Großmarkt, Banksstraße 28, 20097 Hamburg
  • Wann: Ab Herbst 2020
  • Vorstellungen: Mittwoch-Sonntag (nachmittags und abends)
  • Tickets + Preise: ab 99,90 € pro Person für beide Teile, Ermäßigungen für Jugendliche und Kinder bis 14 Jahren, Schwerbehinderte (ab GdB 70%) + Begleitperson

Tickets für Harry Potter und das verwunschene Kind in Hamburg gibt es exklusiv hier bei Ticketmaster.

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